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Geschichte und Daten von Lauchhammer,Dolsthaida,Mückenberg,Bockwitz !




von Lauchhammer

1725 wurde bei der abgelegenen Lauchmühle durch die neue Besitzerin des Rittergutes Mückenberg ein Raseneisenwerk auf Holzkohle- und Torfbasis errichtet, das 1729 bereits einen Hochofen, vier Stabhämmer und eine Wohnkolonie für 30 bis 40 Arbeiter umfaßte.

 

Zunächst wurde im “Lauchhammer” ( heute: L.-Ost ) Schmiedeeisen hergestellt. Nach dem Besitzwechsel 1776 an den Grafen Detlef Carl von Einsiedel, einem typischen Vertreter des Retablissements und namhafter Förderer des deutschen Eisenhüttenwesens, Gründer der Eisenwerke Gröditz (1779) und Berggießhübel, gelang den Bildhauern Wiskotschill und Mattensberger 1784 der erste Eisenkunstguß aus einem Stück, eine reliefgeschmückte Großvase.

 

Die Hütte spezialisierte sich nun auf den Eisenguß von Gebrauchsgegenständen (Geschirr und Röhren), die seit 1785 auch emailliert wurden und auf den Eisenkunstguß. Sie war damals als einzige in Deutschland in der Lage, Statuen und Figurengruppen im Ganzen zu gießen.

 

Um 1800 wurde am Naundorfer See eine der ersten Dampfmaschinen in Deutschland zum Wasserheben aufgestellt, allerdings als relativ wirkungslos 1812 wieder abgebrochen.

 

1789 wurde bei Bockwitz ( heute: L.-Mitte ) erstmals ein Kohlenflöz angebohrt – erster schriftlicher Hinweis auf die Niederlausitzer Braunkohle. Dieser Fund wurde nicht genutzt, zumal die unaufbereitete nasse Kohle wegen ihrer Abgase bei den Bauern, die sie gelegentlich verheizten, in Verruf war.

 

Da die steigende Produktion im “Lauchhammer” an die Grenzen der Holz- und Torffeuerung stieß, ging nach 1800 von der Hütte die erste planmäßige Braunkohlenerkundung aus, wobei bei Kostebrau 1802 erneut eine Dampfmaschine aufgestellt wurde.

 

1804 gingen der “Lauchhammer” und die anderen Werke, zu denen 1790 noch der Burghammer (bei Hoyerswerda) erworben worden war, an den Sohn von Einsiedel über, Verwaltungsbeamter und führender Politiker am sächsischen Hof, 1813 mit dem König zusammen gefangengesetzt, 1815 Vertreter Sachsens auf dem Wiener Kongreß, 1817/30 Regierungschef. Mit seinem verhaßten Regime veranlaßte er maßgeblich die Septembererhebung 1830, floh aus Dresden nach Leipzig.

 

1836 ließ er im “Lauchhammer” den Bronzeguß aufnehmen, für den sich die Bildhauer Ernst Rietschel und Christian Daniel Rauch, der 1857 in Dresden starb, engagierten. Die Bronzegießerei erhielt 1863 eine eigene Werkstatt. Hier wurden zahlreiche bekannte Bildwerke (im Werkshof Modell des Wormser Luther-Denkmals von E. Rietschel 1868 ) und Nachbildungen gegossen.

 

Aus der 1839/40 gegründeten Gewerkschaft der Gräflich von Einsiedelschen Eisenhütten, die 1850 das Eisenwerk Riesa erwarb, ging 1872 die Lauchhammer AG hervor, deren starker Aufschwung sich vor allem im Riesaer Werk vollzog und die 1922 in die Linke-Hofmann-Lauchhammer AG und mit ihr 1926 in den Mitteldeutschen Stahlwerken des Flick-Konzerns aufging (damals: VEB Schwermaschinenbau L., vor allem Produzent von Tagebaugroßgeräten).

 

Aus der Bronze- und Eisengießerei (letztere eingestellt) gingen nach 1945 u.a. die großen Bildwerke der Mahn- und Gedenkstätten in Auschwitz (poln. Os’wiecim), Buchenwald und Sachsenhausen hervor. Zeitgleich mit dem Abbau im engeren Senftenberger Revier begannen Anfang der 70er Jahre auch in dessen westlichen Ableger, dem “Mückenberger (oder auch Bockwitzer) Ländchen”, der Systematische industrielle Braunkohlenabbau und die Brikettfabrikation nach dem Carl-Exter-Verfahren.

 

Mitte der 90er Jahre setzte sich der Tagebau durch. Der erste Abraum-Kettenbagger des Reviers wurde 1898 auf der Grube “Milly” in Bockwitz (heute. L.Mitte) eingesetzt; sie war ein Jahr zuvor von dem jüdischen Kohlengroßhändler Fritz Friedländer aus Gleiwitz (poln. Gliwice) eröffnet worden, der seit 1894/95 mit seinem Kapital im Revier Fuß faßte und 1900 die Braunkohlen- und Brikett-Industrie-AG ( “Bubiag”) mit Sitz in Berlin gründete, die bald in der Braunkohlenindustrie des “Ländchens” dominierte und zu den Großen des Niederlausitzer Braunkohlenbergbaus gehörte. Im Aufsichtsrat der “Bubiag” saßen seit 1903/04 Walther Rathenau als Vertreter der AEG-Bank Berliner Handelsgesellschaft und seit 1911/12 ein Vertreter der Deutschen Bank. Friedländer wurde 1906 geadelt. Sein Mittelsmann Paul Nime war Vorsitzender des Unternehmerverbandes Verein der Niederlausitzer Braunkohlenwerke. In den Konkurrenzkämpfen vor und nach 1918 konnte sich die “Bubiag” dem Einfluß des Petschek-Konzerns entziehen, geriet aber in der faschistischen Zeit unter den der Schlesischen Schaffgotsch-Gruppe.

 

Der 1902 gegründete Konsum-Verein für Bockwitz und Umgebung, dem vor allem Arbeiter der Lauchhammer-Werke angehörten, war der Kristallisationspunkt für die Entwicklung der Ortsgruppen bzw. –kartelle der SPD und der freien Gewerkschaften im Revier. Er organisierte maßgeblich den Bockwitzer Saalstreik 1904 bis 1907/08, mit dem die Arbeiter die Front der reaktionär beeinflußten Gastwirte zerbrachen, die ihnen ihre Säle verweigerten. Mit dem Übertritt der meisten USPD-Ortsgruppen wurde die Kommunistische Partei 1920/21 zur stärksten Arbeiterpartei im Revier und Bockwitz zum “Roten Ländchen” der Lausitz.

 

Im März 1921 wurde das Revier außerhalb der Provinz Sachsen zum wichtigsten Kampfgebiet der Abwehrkräfte gegen die dortige Hörsingsche Polizeiprovokation. Obwohl es auch hier zu Fehlentscheidungen im Sinne der “Offensivstrategie” kam, waren die Maßnahmen konsequent und besonnen: Ein Aktionsausschuss und bewaffnete Arbeitergruppen wurden gebildet, Waffen beschlagnahmt, Bahnhöfe und Zufahrtsstraßen kontrolliert. Als nach der Niederlage der Mansfeld-Kumpel und der Leuna-Arbeiter die Reichswehr auch in das Bockwitzer Revier einmarschierte, wurden der Generalstreik und die bewaffneten Aktionen am 1. April 1921 abgebrochen. Verhaftungen und Gefängnisurteile trafen die Führer der Märzkämpfe. Dank des starken Einflusses der KPD und der von ihr geführten revolutionären Gewerkschaftsopposition gehörte das “Ländchen” zu den Revieren, in denen der mitteldeutsche Braunkohlenbergarbeiterstreik vom 17. bis 23. Oktober 1927, der seit dem Steinkohlenbergarbeiterstreik vom Mai 1924 größte Arbeitskampf in Deutschland, am konsequentesten durchgeführt wurde. Im Braunkohlenbergbau hatte sich seit 1924 in besonderen Maße sozialer Zündstoff angehäuft; die Schichtzeit war in der Regel auf 12 Stunden gestiegen. Die Rationalisierungsmaßnahmen hatten Arbeitsintensität und Arbeitslosenquote erhöht. Der Bergarbeiterverband kündigte im Juni 1927 die Tarife im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau und forderte 80 Pfennige Schichtlohnerhöhung sowie die Wiederherstellung des Achtstundentages. Die Unternehmerverbände lehnten strikt ab. Nach gescheiterten Schlichtungsverhandlungen proklamierten die Gewerkschaftsführer unter dem Druck der Arbeiter und der Gewerkschaftsopposition den Streik, der mit einer von den Unternehmerverbänden, den Schlichtern und dem Bergarbeiterverband unerwarteten Wucht geführt wurde. Trotz Einsatzes von Schupo und Streikbrechern des 1923 von der “Bubiag” gegründeten Gelben Werksverein beteiligten sich zahlreiche unorganisierte, im gesamten Niederlausitzer Revier etwa 10000 Bergleute. Vom Reichsarbeitsminister rasch eingesetzte Schlichtungsverhandlungen kosteten die Unternehmer eine Schichtlohnerhöhung um 60 Pfennig. Dieser Ausgang alarmierte die Unternehmerverbände 1928/29 zu ihrer Offensive gegen das Schlichtungswesen. Gegen den Schiedsspruch ließ die “Bubiag” zahlreiche Streikende, vor allem Kommunisten, aus den Werkswohnungen ausweisen. Nach dem Bruch des Sport-Abkommens mit der Sowjetunion nahmen im Sommer 1928 vier Arbeitersportler aus Bockwitz an der deutschen Delegation zu der ersten internationalen Spartakiade in Moskau teil; nach ihrer Rückkehr entlassen und aus dem ATSB ausgeschlossen, bildeten sie den Kern der Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit Bockwitz-Mückenberg.
 

1950 Großgemeinde Lauchhammer aus den drei genannten Gemeinden und Dolsthaida (L.-Süd) gebildet.

 

1951 legten die Freiberger Wissenschaftler Georg Bilkenroth und Erich Rammler das Verfahren zur Produktion von Braunkohlenhochtemperatur- (BHT-) Koks vor, mit dem erstmals hüttenfähiger Koks aus Braunkohle erzeugt und die DDR-Wirtschaft von den Koksimporten aus der BRD unabhängig werden konnte.

 

Im Oktober 1951 faßte darauf der DDR-Ministerrat den Beschluß über den Bau der Großkokerei Lauchhammer auf dem Gelände des demontierten Rüstungsbetriebes “Schemo-Werk” (heute . L-West) sowie den Umbau mehrerer Brikettfabriken.

 

Bereits im Juni 1952 erfolgte der erste Abstich und damit der Produktionsbeginn der ersten Braunkohlenkokerei der Welt.

 

Im August 1958 wurde der VEB Braunkohlenkombinat Lauchhammer gegründet. Mit den volkseigenen Grubenfeldern und Brikettfabriken der ehemaligen Konzerne “Bubiag” (1952 war das SAG-Kombinat “Friedländer” in Volkseigentum übergeben worden), Anhaltische Kohlenweke und der Plessaer Braunkohlenwerke sowie der Großkokerei gebildet.

 

Nach der Wende im Jahre 1989 verloren durch die Schließung der heruntergewirtschafteten Kokerei rund 15.000 Arbeiter ihren Job.

Lauchhammer hat seit dem mit die meisten Arbeitslosen in der Umgebung.

 

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